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Veröffentlicht am 20. März 2026

LS26 "OPCW"

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag setzt das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) in 193 Vertragsstaaten um. Seit Inkrafttreten des CWÜ 1997 unterstützt die Schweiz – insbesondere das Labor Spiez – die OPCW in zentralen wissenschaftlichen und operativen Fragen. Für diese langjährige Zusammenarbeit wurde das Labor Spiez 2023 mit dem OPCW-The Hague Award geehrt.

OPCW Symbolbild Header

Designiertes Vertrauenslabor der OPCW seit 1998

Ein Kernstück des OPCW-Kontrollregimes ist die Analyse von Verdachtsproben. Solche Proben können bei Industrie- oder Challenge-Inspektionen sowie bei Abklärungen zum vermuteten Einsatz von chemischen Kampfstoffen anfallen. Können die Proben nicht vor Ort analysiert oder müssen die Ergebnise verifiziert werden, werden sie an von der OPCW designierte Labore geschickt. Seit 1996 dem nimmt das Labor Spiez regelmässig an offiziellen OPCW Proficiency Tests (Ringversuchen) teil und unterstützt die OPCW bei Bedarf bei deren Durchführung. Das Labor Spiez gehörte 1998 zu den ersten acht weltweit designierten OPCW-Laboratorien für Umweltproben. Seit über 25 Jahren hält das Labor Spiez ununterbrochen den Status als Designiertes Labor der OPCW.

Die Erlangung und Aufrechterhaltung der OPCW-Designierung setzt die Erfüllung hoher fachlicher und qualitativer Anforderungen voraus. Dazu zählen:

  • eine international anerkannte Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 für die Analyse kampfstoffrelevanter Chemikalien sowie
  • der regelmässige Nachweis analytischer Kompetenz durch die erfolgreiche Teilnahme an OPCW-Proficiency Tests oder durch die aktive Unterstützung der OPCW bei der Analytik von Echtproben aus OPCW-Missionen.

Referenzdaten

Für die Identifikation chemischer Kampfstoffe benötigen Inspektoren und Labore Vergleichsdaten – die «Fingerabdrücke» relevanter Substanzen. Da nur wenig Vergleichsdaten öffentlich zugänglich sind, betreibt die OPCW eine eigene zentrale Analysedatenbank, die OPCW Central Analytical Database (OCAD). Seit 1996 hat das Labor Spiez der OPCW für die OCAD rund 8’000 Datensätze (Stand: Februar 2026) für verschiedene Analysetechniken geliefert. Dies entspricht mehr als der Hälfte aller Datensätze. Das Labor Spiez arbeitet zudem seit mehreren Jahren auch in der Validation Group mit, in der die Qualität von eingereichten OCAD-Daten überprüft wird.

Als designiertes Labors wurden die Analytiker des Labor Spiez immer wieder mit der Unterstützung von Verdachsproben betraut, während die Synthetiker dem OPCW Labor mit Referenzchemikalien bediennt haben.

Ausbildung von OPCW-Inspektoren

Ein weiterer zentraler Teil des Kontrollregimes des CWÜ sind Routine-Inspektionen zur Überprüfung der Deklarationen von Vertragsstaaten. Nach dem Inkrafttreten des CWÜ 1997 hat das Labor Spiez zusammen mit der chemischen Industrie während zwei Jahren einen Teil der Grundausbildung von über 100 neuen OPCW-Inspektoren durchgeführt. 2003 wurden dann Vertiefungskurse in Phosphorchemie angeboten, wobei die OPCW die Grundausbildung der Inspektoren in den Folgejahren selber übernehmen konnte. Das Labor Spiez und die chemische Industrie der Schweiz unterstützen die OPCW auch bei der Durchführung von Übungsinspektionen. So stellte das Labor Spiez beispielsweise zwischen 2007 und 2011 seine Liste 1-deklariete Anlage für Übungszwecke zur Ausbildung 68 neuer Inspektoren zur Verfügung.

Wissenschaftliche Fachexpertise

Wissenschaftliche und technologische Entwicklungen, wie z.B. neue Entwicklungen in der Herstellung von Chemikalien oder verbesserte Methoden zum Schutz vor toxischen Chemikalien, spielen für das CWÜ eine zentrale Rolle. Damit die OPCW die neusten Erkenntnisse miteinbeziehen kann, verfügt sie über einen OPCW Scientific Advisory Board (SAB). Das Labor Spiez war seit der Schaffung des SAB 1998 bereits über 15 Jahre mit einem Mitglied vertreten und hat dabei zweimal den Vorsitz gestellt.

Das SAB leitet auch temporäre Arbeitsgruppen (Temporary Working Groups, TWG) zu spezifischen Fachfragen. Fachexperten des Labor Spiez haben regelmässig in den TWGs des SAB mitgearbeitet. Themen dieser TWGs sind unter anderem die Verifikation und Analytik, Biotoxine, forensische Wissenschaften, die Konvergenz von Chemie und Biologie oder Künstliche Intelligenz (KI). Aus dieser Arbeit entstand die Konferenzreihe Spiez CONVERGENCE, organisiert in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, der Abteilung Internationale Sicherheit im Staatssekretariat des EDA und dem Bereich Rüstungskontrolle und Abrüstungspolitik im SEPOS des VBS.

Ein weiteres wichtiges Thema, mit dem sich das SAB beschäftigt hat, ist die mögliche Verwendung von Chemikalien, die auf das zentrale Nervensystem wirken (Central Nervous System-acting Chemicals, CNSaCs). Diese Stoffe können beim Menschen einen handlungsunfähigen Zustand hervorrufen. Bei einer Verbreitung in Form von Aerosolen bestehen erhebliche Risiken, da Dosierung und Verteilung kaum kontrollierbar sind. Dies kann zu schweren gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod führen. Nach langjährigem Engagement der Schweiz wurde im Jahr 2021 entschieden, dass der aerosolisierte Einsatz solcher CNSaCs im nationalen Gesetzesvollzug mit dem CWÜ unvereinbar ist. Das Labor Spiez hat mit seiner Mitarbeit massgeblich zu diesem wichtigen Entscheid beigetragen.

Obwohl das Chemiewaffenübereinkommen in erster Linie darauf abzielt, chemische Waffen zu vernichten und ihr Wiederauftauchen zu verhindern, enthält es auch wichtige Bestimmungen zur Förderung der Ausbildung im Bereich der friedlichen Anwendungen der Chemie, da diese zur Stärkung der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung aller Vertragsstaaten beitragen. Im Rahmen des Entwicklungsprogramms der OPCW (OPCW Capacity Building Programmes) wurden Chemiker aus aller Welt im Bereich Chemie geschult, wodurch die Entwicklung ihrer eigenen Labore gefördert wurde.